04/2014

Inhalt

  • Diesen Monat neu: Werdet wie die Kinder
  • Aufgelesen: E.T.A. Hoffmann

„Werdet wie die Kinder...“ Der heimliche Lehrplan: Nicht fördern, sondern sieben

Ken Robinson hat in einer Langzeitstudie Erschreckendes herausgefunden: Im Alter von 3-5 Jahren sind 98 Prozent der Kinder „genial“; im Alter von 8-10 Jahren sind es noch 32 Prozent; im Alter von 13-15 Jahren nur noch 10 Prozent; ab 25 Jahre bleibt lediglich ein Restbestand von 2 Prozent genialer Menschen übrig. Das Bildungssystem hat seinen Auftrag erfüllt.

Schule, so glauben wir, soll vielen die Möglichkeit eröffnen, zu lernen, was sie für ein gelingendes Leben brauchen. Die Forschungsergebnisse von Ken Robinson sprechen eher für das Gegenteil. „Wir lernen sprechen, denken, lieben, fühlen, spielen, fluchen, politisieren und arbeiten, ohne dass ein Lehrer einen Anteil daran hätte“, schreibt Ivan Illich.

Marianne Gronemeyer setzt sich mit den paradoxen Forderungen auseinander, mit der Schüler und Lehrer unablässig konfrontiert werden: Den Bildungsauftrag der Schule hält sie für eine Mogelpackung. Heimlicher Auftrag des Bildungssystems sei ein Beitrag zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens. Wenn alle in der Schule Erfolg hätten, könnten wir nicht erklären, warum in einer Demokratie, wo alle die gleichen Rechte haben, die einen sich in den prekären Niederungen der Gesellschaft tummeln, während andere sich in den gehobenen Rängen sonnen.

Die wichtigste Aufgabe der Schule sei nicht der Bildungsauftrag, sondern die Sortierung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer. Die Gewinner sollen ihr Glück als leistungsgerecht genießen. Die Verlierer sollen glauben, dass sie unfähig sind und deshalb ihr Schicksal akzeptieren. Entgegen der offiziellen Doktrin komme es nicht darauf an, was in der Schule gelernt werde, sondern darauf, dass die Zensuren zensieren, viele Schüler ihrer Selbstachtung berauben und sie für den Lebenserfolg vorsortieren.

Wir können kleine Kinder dabei beobachten, wie sie sich mit großem Eifer bemühen, ihre selbst gesetzten Aufgaben zu bewältigen. Grenzenlose Neugier treibt sie an, die Welt zu erkunden. Die Angeödetheit, die Lernanforderungen in späteren Jahren auslösen, ist keine Konstante der Anthropologie, sondern schulischer „Erfolg“. Der unbändige Lerndrang der frühen Jahre wird durch einen Glaubenssatz zertrampelt, das sich wie ein Schleier über unser Leben, über unsere Gesellschaft legt: Dass Konkurrenz das Geschäft belebt.

Schulnoten unterstellen, dass der Lernerfolg umso größer ist, je mehr andere wir hinter uns lassen. Siegen-Wollen erfordert aber ein ganz anderes Bemühen als Erkennen-Wollen. Die Erkenntnis bleibt auf der Strecke; lediglich die Spielregeln des Siegens werden gelernt. Unter Konkurrenzbedingungen hat Bildung keine Chance. So gießt unser Bildungssystem das Fundament für ein Wirtschaftssystem, das gerade dabei ist, unseren Planeten als Lebensraum zu zerstören.

Wer das wohl unendliche Potenzial seines Gehirns entwickeln will, der sollte die Begeisterungsfähigkeit seiner Kindheit zurück gewinnen. Wenn wir unseren Planeten wieder in das Paradies verwandeln wollen, als das er erschaffen worden ist, sollten wir wieder werden, wie wir als Kinder waren: spontan, unbekümmert, fröhlich, ganz auf das Hier und Jetzt fokussiert.

Quelle: www.business-reframing.de

Aufgelesen

Wer wagt,
durch das Reich der Träume
zu schreiten,
gelangt zur Wahrheit.

E.T.A. Hoffmann, 1776-1822
deutscher Schriftsteller der Romantik

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